Tierisch Müde - Schlafende Hunde nicht wecken

in hive-121566 •  12 days ago 

Sieben bis acht Stunden Schlaf braucht der normale Mensch täglich. Wir alle wissen, wie mies es uns geht, haben wir zu wenig Schlaf und viele kennen sogar die negativen gesundheitlichen Folgen von dauerhaftem Schlafmangel.
Während kurzfristiger Schlafmangel nur schwer aufs Gemüt schlägt, Kopfschmerz und Sinnestäuschungen verursachen kann, schwächt langfristiger Schlafmangel sogar das Immunsystem, erhöht das Risiko auf Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, kann erhöhten Blutdruck auslösen und Vieles mehr.
Doch wie es das eigentlich beim Hund? Reichen ihm die acht Stunden gemeinsame Nachtschlafzeit?

Erwachsene Hunde benötigen mit mindestens siebzehn Stunden mehr als die doppelte Zeit für Ruhe-&Schlaf, als wir Menschen. Alte Hunde und Welpen benötigen sogar bis zu zweiundzwanzig Stunden. Damit liegen sie in Sachen Siesta sogar noch vor den traditionellen Spaniern, welche statistisch gesehen nur auf ungefähr zehn Stunden Ruhebedarf kommen.
Die gemeinsame Nachtschlaf-Zeit reicht also gerade für die Hälfte des hundischen Schlafbedarfes.
Unsere hiesigen Hunde haben es zwar noch angeboren, bekommen das über den Tag verteilte Ruhen&Schlafen aber regelrecht abgewöhnt. Als Schoss- und Familienhunde sind sie oft dauerhaft im Einsatz. Müssen jederzeit herhalten, wenn es ihren Menschen nach Kuscheln und Anfassen beliebt. Auch das heute stressigere Leben, verlangt von den Vierbeinern viel ab. Gassi-Gehen dann, wenn es für den Menschen zeitlich notwendig ist, kommt dabei oft den hundischen Ruhebedürfnissen in die Quere.
Manchmal ist es auch schlechtes Gewissen, man würde den Hund nicht genug unterhalten, weil er ja sonst nicht so viel rumliegen würde, welches Menschen dazu bringt, den Hund auf Trap zu halten.
Durch starke Fixierung auf seinen Menschen, gönnt auch ein Hund sich oft selbst zu wenig Ruhe. Entsprechendes Loslass-Training kann dem Hund in diesem Fall aber Ruhe verschaffen.
Gesundheit und Gemüt des Hundes, sind dadurch immer berührt.

Von ausgewilderten Hunden weiß man, dass diese von selbst wieder hundsgesunde Schlaf-&Ruhe-Rhythmen entwickelten. So weiß ein wilder Hund nach Aktivitätsphasen wie dem Fressen, Jagen, Patrouillieren und Spielen, sich und seinen Rudel-Kameraden die Siesta zu gönnen.

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Schlaf-&Ruhephasen

Verpennt mein Hund den Tag? Nein, denn die Schlaf-&Ruhephasen sind fest gekoppelt an die Aktivitätsphasen des Hundes. Im Grunde folgt auf jede aktive Phase, ein Ausruhen. Nicht immer schläft der Hund dabei. Vielmehr unterteilen sich die Ruhephasen in folgende Unterphasen.

  • Schlafen
  • Dösen
  • Schlummern

Schlafen

Hierbei holt sich der Hund seinen REM-Schlaf, wobei er das Erlebte verarbeitet und seinen Körper regeneriert. Es ist daher die Wichtigste seiner Ruhephasen. Die Schlafphase macht dabei ungefähr drei bis vier Stunden aller seiner Ruhephasen aus.
Die Augen sind im Schlaf fest geschlossen. Sobald die REM-Schlafphase eintritt, bewegen sich häufig leicht die Glieder, hinter den Augenlidern sind deutlich Augenbewegungen erkennbar. Der Körper liegt erschlafft.
Den Hund in dieser Phase häufig zu stören, kann ernste gesundheitliche Folgen haben.

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Dösen

In dieser Phase ist der Hund viel wacher als es zunächst den Anschein macht. Die Augen sind dabei zwar geschlossen, jedoch nicht fest und der Hund bekommt in seiner Umgebung alles mit. So ruht er lediglich aus und kann problemlos jederzeit wieder aktiv werden. Zum Beispiel wenn er die Leine klingen hört oder irgendetwas anderes Interessantes geschieht.
Diese Phase kann bei größerer Erschöpfung, zum Beispiel nach einem üppigen Mahl ins Schlummern übergehen.

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Schlummern

Das Schlummern geht über das Dösen hinaus und kann gegebenenfalls in den Schlaf übergehen. Diese Phase dient der Kraftschöpfung für den weiteren Tag. Viele Hunde machen das am Liebsten gemeinsam kuscheln mit ihren Menschen auf der Couch. Für mehr als Kuschelei reicht die Kraft dabei aber meist nicht. Animiert man den Hund in dieser Phase zu sehr zum Spielen, sucht er möglicherweise das Weite oder beschwert sich auf seine persönliche Art und Weise über die Störung.

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Rückzugsmöglichkeiten

Damit ein Hund einen gesunden Schlafrhythmus entwickeln oder beibehalten kann, muss er jederzeit die Möglichkeit haben, sich zurückzuziehen. Dazu kann zum Beispiel ein zusätzliches Bett abseits von Treiben&Geschäftigkeit förderlich sein. Rücksicht ist aber die ultimative Hilfe.
Viele Hunde ziehen sich zum Ausruhen gerne zurück, wenn es ihnen zu laut oder zu lebhaft ist. Vor allem, wenn sie gerade sehr müde sind. Da sind sie uns Menschen gar nicht so unähnlich.
Wie wir, möchten Hunde dabei nicht ständig gestört werden.

Wenige Wochen nachdem eine ehemalige Kommilitonin einen neuen Junghund in ihre Familie holte, erzählte sie mir über neuerliche Aggressionen des Vierbeiners. Sie führte aus, dass der Hund regelmäßig die Kinder anbellte und sogar schon die Zähne fletschte, als Familienmitglieder ihn streicheln oder mit ihm spielen wollten. Sie konnte sich dieses Verhalten nicht erklären, da der Hund ihrer Aussage nach viel Liebe und Aufmerksamkeit erhielt.
Sie musste nicht lange davon weiter erzählen. Denn als ich sie fragte, in welchen Situationen sich das aggressive Verhalten zeige, war klar, dass der Hund aus Stress reagiert. Der Ort des Geschehens war immer das Bettchen, welches mitten im Wohnzimmer der Familie lag. Und immer wollten die Kinder mit ihm spielen, wenn er sich gerade auf sein Bett legte oder schon schlief. Wie sie erzählte, dachte sich keiner etwas Schlimmes dabei. Man wolle den Hund ja teilhaben lassen.
Ich erklärte ihr, dass der Hund möglicherweise gestresst sei, wie viel Ruhe Hunde benötigen und empfahl, mit den Kindern das Gespräch darüber zu suchen.
Schon nach ein paar Tagen erzählte sie mir, dass der Hund nicht ein einziges Mal mehr aggressive Reaktionen zeigte, seit die Kinder es verstanden, wann der Hund Ruhe benötigt und das dies dem Hund zuliebe zu respektieren sei.

Schlafende Hunde sollte man nicht wecken. :-)

Viele Grüße
QuantumG

~^~^~^~^~^~^~^~^~ ˁ˚ᴥ˚ˀ ~^~^~^~^~^~^~^~^~

Meine vorherigen Blog-Artikel zum Thema Hund:

Foto-Rechte: Alle Fotografien in diesem Artikel wurden von meiner Frau oder mir selbst von unseren Hunden erstellt. Falls du sie für eigene (hehre/arglose) Zwecke brauchen kannst, darfst du sie gerne verwenden und musst mich nicht weiter darum bitten.

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Than you for those pictures! I didn't read the blog (German is a challenge--perhaps later I will put in Deepl Translator). The dogs are wonderful

Hi,
I'm glad you like the pictures of the my dogs. :)

I didn't read the blog (German is a challenge--perhaps later I will put in Deepl Translator)

I'm currently teaching myself to translate my own german personal phrasing into english.
So that I can translate my future posts in an authentically way soon, because I currently write a little bit differently in english language than in german language. And I have to improve my english. :-D

But soon there will be bilingual posts on my Hive blog.

I have been studying German (and Spanish) it seems all my life, but still fluency eludes me. So I admire your ambition.
And I love dogs. You've always got my attention with pictures of cute dogs (all dogs are cute)😇